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Der Riese Dr. Helmut Kohl 

17. Juni 2017. An Helmut Kohl zu erinnern scheint leicht. Großer Deutscher.  Großer Europäer. Parteispenden-Eintreiber. Ein Pate seiner Partei. Eine Riese auf der politischen Bühne von Shakespeareschem Format und ebensolcher Tragik.

Am Ende war er mit fast allen Wegbegleitern verkracht. Eine Witwe und ein Sohn streiten über die Deutungshoheit seiner letzten Gedanke und Worte. Da sind letzte Worte nicht gesprochen. 

Kurt Beck hat zu Recht auf Kohls lebenslangen Kampf gegen die Sozialdemokraten hingewiesen. Daran ist viel Wahres. Aber auch seine Gegner – in der Union und bei den Sozialdemokraten – haben ihm nichts geschenkt. Gegen Kohl musste man sich wehren. 

Und man kann seine politische Vision der französisch-deutschen Aussöhnung bewundern. Das habe ich immer getan. Darin war er ein Großer, ein Vorbild. 

Den Euro verdanken wir ihm und Francois Mitterand. Alleine dies war ein Meisterstück. Und auch mit den Fehlern, vor denen gewarnt und die er ignoriert hat. 

Die Vereinigung von BRD und DDR war sein Stück gelungener Machtpolitik. Das wird seine historische Rolle bleiben.

Jeden Tag um Mitternacht spielt der Deutschlandfunk bereits seit den 1980er Jahren die deutsche und die europäische Hymne. Das alleine bleibt von seiner gewünschten „geistig-moralischen Wende“. Das hätte schlimmer kommen können.
Schweigen wir am offenen Grab über die Schwargeld-Oasen im Westerwald, die Flick-Affäre, den Bimbes, die Wörner-Kiesling-Affäre, das erzwungene Gedenken an SS-Gräbern in Bitburg, die politische Rachsucht und die Übernahme der Stasi-verseuchten Ostparteien. Die Historiker werden es aufarbeiten.

Für seine Familie und seine Freunde ist ein Riese und prägender Mensch abgetreten. Ihnen gilt mein Beileid.

Wenn besorgte Bürger über Steine stolpern @burgenblogger

Unbenannt

Der Burgenblogger (@burgenblogger) im Mittelrheintal hat den Diebstahl der frisch verlegten Stolpersteine beschrieben. Mehr als fünfzigtausend Menschen lesen seinen Artikel (enorme Leserzahl) und mehr als hundert kommentieren auf Facebook (https://www.facebook.com/burgenblogger/).

Viele sind enttäuscht oder sehr verärgert über den Diebstahl, der bislang nicht aufgeklärt ist. Und einige Leser finden selbst hier einen Platz, um mit antisemitischen, rassistischen Sprüche ihre Duftmarke zu hinterlassen. Manchen ist der Anlass gleich ganz egal und fabulieren von Flüchtlingen, die an allem Schuld sind. (Hinweis: Das mutmaßliche Täterfoto zeigt einen weißen, mittel-alten Mann.)

An der Diskussion kann sich jeder beteiligen und die Dinge „gerade rücken“.

 

Lesen lohnt: „Alte-Säcke-Politik“

asp_grundingerDer Titel klingt nach Abrechnung mit den Sarrazins, Henkels, Wagenknechts, Merkels und Co.

Und: Ja, das Buch erfüllt diese Erwartung mit einem sachlichen, unaufgeregten und fakten-basierten Blick in eine andere deutsche Zukunft. Wolfgang Gründinger (Jg 1984) ist ein Kind der Kohl-Genscher-Ära und er notiert, was die Unter-40-Jährigen wissen sollten über das Land, in dem die Babyboomer den 30-something-Enkeln die Kühlschrank leer räumen und dann satt, zufrieden und wohlhabend zur nächsten Karibik-Kreuzfahrt starten.

Das „Deutschland-kann-gut-werden“-Plädoyer ist flüssig und informativ geschrieben und Wolfgang Gründinger mit eigenen Vorschlägen für eine politische Agenda ergänzt. Engagiert euch, kümmert euch um eure Belange, so endet sein Aufruf mit dem Hinweis auf die Macht von gutem Vorbild und einem bisschen Verrücktheit.

Für sein Buch „Alte Säcke Politik. Wie wir unsere Zukunft verspielen“ erhält Wolfgang Gründinger im Mai 2017 den diesjährigen Preis „Das politische Buch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ein gutes Buch für das deutsche Wahljahr.

Das Tanz-die-Bewegung-Video, auf das Gründinger zum guten Schluss verweist, kennt wohl mancher bereits, doch es lohnt sich, dazu Derek Sivers TED-Vortrag im 5-Minuten-Video zu schauen

Krieg der Mainzer Fastnachter? Ein Graus.

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Foto: wikipedia.de

Die Säle sind wohl voll, aber die Haut der älteren Mainzer Fastnachter ist dünn. Es sind die, die Abend für Abend für launige Unterhaltung in der Session 2017 sorgen. Angegriffen von Pöblern und auch bedroht werden die Einen und die Anderen, ihre „Kollegen“, zeigen sich von ihrer menschlich ganz schwachen Seite. Statt Unterhaken, Mitschunkeln und Gemeinsinn zeigen, wird es in Mainz gerade böse und gemein.

Wer bedroht werde, der habe wohl eher selber Schuld, scheinen „die Anderen“ zu denken: von kollegialer, gar demokratischer Solidarität halten sie nichts. Hier zeigt sich, wie unter einer bunten Maske auch eine böse Fratze stecken kann. Man beschimpft sich in der Lokalzeitung und schreibt sich einen offene Brief.

So leicht geht also das Spiel der Antidemokraten und „Wutbürger“, wenn selbst TV-Größen sich drauf einlassen. Wer den Krieg der Mainzer Fastnachter nachlesen mag: die AZ ist nah dran: http://bit.ly/1gutenberg  und http://bit.ly/02Gutenberg

Ja, es ist gut, dass Hans-Peter Betz und Andreas Schmitt  sich gegen die drohenden Kleingeister und einige sehr feige „Kollegen“ stellen.

 

 

Das Mixtape des Weltwutbürgers: „Generation Zero“ auf Youtube

Mutete Hitlers „Mein Kampf“ dem Leser noch viele hunderte Seiten unsäglichen Antisemitismus, Rassenhass, Weltverschwörung und Kriegshetze zu, macht Steve Bannon (#stoppresidentbanon) es den heutigen Weltwutbürgern sehr einfach: per Video gibt es alles wie damals bei den deutschen Nazis, aber viel bunter verpackt und in 90 Minuten gepresst. Die Revolutionsphantasien der amerikanischen Altright stehen frei auf Youtube.

Wer hofft, es bliebe nur bei wirren Pressekonferenzen von @realdonaldtrump, dem wird in Banons Video geholfen: Hier gibt es offene rechtsextreme Propaganda von dem Mann, der seit Januar über die Sicherheit unserer Welt mit entscheidet. Sein Trailer zur Zerstörung des Westens läuft auf Youtube.